Volker Brucksch, Herzogenrather Bürger und in Kohlscheid lebend, hat sich am 19.Juli 2018 mit einem offenen Brief an alle Ratsmitglieder der Stadt Herzogenrath gewandt. In seinem Schreiben kritisiert er die Ratsmitglieder in Sachen Radschnellweg, Markttangente und Supermarkt am Langenberg und den in der Presse nahezu kaum erwähnten Neubau des Rathauses.


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Über lange Jahre hinweg hat Volker Brucksch die Situation und Entwicklung der drei Eckpunkte beobachtet und wendete sich in Sachen Veröffentlichung des offenen Briefes an uns. Dem kommen wir natürlich gerne nach.

An alle Mitglieder des Rates
der Stadt Herzogenrath

Herzogenrath, der 19. Juli 2018

Offener Brief an alle Ratsmitglieder der Stadt Herzogenrath

Sehr geehrte Damen und Herren,

lange Jahre musste ich beobachten und feststellen, wie seitens der Verwaltung die Entwicklung der Stadt Herzogenrath betrieben wurde: schlecht! Deshalb wende ich mich heute an Sie als die demokratisch gewählten Vertreter der Bürger unserer Stadt mit der Bitte, dem Treiben der Verwaltung ein Ende zu bereiten und die Entscheidungen über die wirtschaftliche und soziale Zukunft der Stadt als Rat wieder selbst in die Hände zu nehmen. Zu lange schon besteht der Eindruck, dass in wichtigen Angelegenheiten die Öffentlichkeit nicht ausreichend informiert oder gar getäuscht wird, um irgend welchen Unsinn durchzusetzen, der von den Bürgern nicht gewollt ist und manchmal offensichtlich nur dem Zweck dienen soll, Fördermittel des Landes nach Herzogenrath zu holen, koste es was es wolle. So entsteht der Eindruck, als wolle man mangelndes Bewusstsein darüber, dem Wohle der Stadt und ihrer Bürger verpflichtet zu sein, oder gar mangelnde Sachkompetenz durch Arroganz und mangelhafte Information der Bevölkerung ersetzen. Das kann so nicht weitergehen.

Dieses Verhalten der Verwaltungsspitzen zeigt sich beispielhaft bei folgenden Vorhaben, die trotz des Widerstandes einer großen Zahl von Bürgern durchgesetzt werden sollen:

1. Radschnellweg
Gegen alle Widerstände, auch und besonders der Umweltverbände, wird dieses Projekt durchgezogen auf der Grundlage eines „Gutachtens“, das man nur als „bestelltes Schlechtachten“ bezeichnen kann. Selbst die Städteregion folgt diesen Aussagen nicht mehr. Warum hält die Stadt Herzogenrath noch an diesem Beschluss fest? Wie wollen Sie Kosten von bis zu 100 Mio. Euro und die Zerstörung von Teilen des NSG Wurmtal rechtfertigen?

2. Markttangente Kohlscheid / Ansiedlung eines Supermarktes
Bürgerbeteiligungen, die diesen Namen nicht verdienen, leere Worthülsen des technischen Beigeordneten, Abtun begründeter Sorgen als „Gerüchte“,

ohne bessere Informationen zu liefern – die Planungen für Kohlscheid sind -seit Bekanntwerden- von fehlender Sach- und Ortskenntnis, Beratungsresistenz und gutsherrlicher Arroganz geprägt. Der Termindruck für die Beantragung von Fördermitteln veranlasst unsere Spitzenbeamten, alle Vernunft fahren zu lassen und sogar Streit mit der Stadt Würselen in Kauf zu nehmen. Neue Schleichwege werden eröffnet, das Wurmtal mit noch mehr Verkehr durch den Sog eines Super-Supermarktes (oder sind gar zwei geplant?) mit mindestens 2.000 Kunden pro Tag belastet, während das eigentliche Problem des Durchgangsverkehrs zwischen Aachen und Bardenberg/Übach-Palenberg/Herzogenrath/Kerkrade etc. nicht angepackt wird. Die Sorgen der Betroffenen werden einfach vom Tisch gewischt.

3. Rathausneubau
Am Beispiel des geplanten und nur beiläufig in der Presse erwähnten Neubaus eines Rathauspalastes zeigt sich wieder einmal, wie die Verwaltung der Stadt mit unseren Steuermitteln umgeht. Da lässt man öffentliche Gebäude bereits ab der Inbetriebnahme durch unterlassene Instandhaltung vergammeln und stellt dann fest, dass -wie in diesem Fall- der Brandschutz nicht gewährleistet ist. Also muss nach nur 40 Jahren Nutzungszeit ein schicker Neubau für den Bürgermeister her. Demzufolge dürfte in Herzogenrath kein Gebäude älter als 40 Jahre sein. Traurig, aber wahr!

Diese Beispiele stammen nur aus neuerer Zeit. Sehen Sie mir nach, wenn die Aufzählung nicht vollständig ist, sie soll nur beispielhaft sein.

Sie sehen, es wird Zeit, etwas zu verändern. Deshalb fordere ich Sie auf:

• Legen Sie den Bürgermeister und seine Spitzenbeamten an die Kette!
• Lassen Sie den Grundgedanken der kommunalen Selbstverwaltung wieder aufleben! Sie sind von den Bürgern dieser Stadt gewählt und damit demokratisch legitimiert und beauftragt, die Interessen der Bürger durchzusetzen!

Ich danke Ihnen vielmals für Ihre Aufmerksamkeit.

Mit freundlichen Grüßen

Volker Brucksch

 

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