Seit der erfolglosen Pfingstkirmes hatte sich unter den Bürgern immer mehr Unmut über die negativen Entwicklungen in und rund um Kohlscheid breit gemacht. In den sozialen Netzwerken kam es zu ersten Zusammenschlüssen besorgter Bürger, die die Tradition ihrer Stadt in Gefahr sehen. Und so hatte auch Ralf Langohr über die Gruppe „Kohlscheid unsere Heimat – Scheeter wollen Fortschritt statt Stillstand!!!“ zu einem ersten Bürgertreffen am gestrigen Mittwoch Abend in die Gaststätte „Haus Goertz“ geladen. Ziel der Veranstaltung war das Zusammentragen von Themen die in Kohlscheid angepackt werden müssen. Rund 30 Kohlscheider folgten seinem Aufruf und diskutierten in einer rund drei stündigen Sitzung angeregt über ihre Sorgen und die Probleme in Kohlscheid und beschlossen diese Stück für Stück anzugehen.


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Probleme in allen Bereichen sichtbar

Jeder konnte sich in die Diskussion einbringen und darüber diskutieren, wo in Kohlscheid der Schuh drückt. Schnell wurde deutlich, dass die Probleme inzwischen in allen Bereichen sichtbar werden. So reichten die Wortmeldungen von ungepflegten Beeten und heruntergekommenen Kinderspielplätzen über die marode Schwimmhalle und schlecht ausgestatte Sportplätze bis hin zu ganzen Konzeptvorschlägen zur baulichen Umstrukturierung der Kohlscheider Innenstadt um diese wieder mehr zu beleben. Das Kernthema und zentraler Ausgangspunkt der Diskussionen blieb aber die große Enttäuschung über die diesjährige Pfingstkirmes.

Pfingstkirmes symbolisch für die negative Entwicklung Kohlscheids

Viele Kohlscheider sehen die diesjährige Pfingstkirmes als Spiegelbild für die negative Entwicklung in Kohlscheid und machen sich Sorgen, dass neben dem Verfall der Stadt auch Tradition, Kultur, das Vereinsleben und wichtige Werte verloren gehen.

Herr Siggi Müllenmeister, unter anderem im Vorstand des Kohlscheider Werberings sowie im Stadtmarketing Herzogenrath tätig, versorgte die Diskussionsrunde mit Informationen zu den Problemen rund um die Organisation der Kohlscheider Pfingstkirmes. Dabei wurde schnell deutlich, dass einige Behauptungen, die zuvor im Netz die Runde gemacht hatten nicht ganz korrekt waren. So sollen zum Beispiel die angeblich zu hohen Standgebühren nicht Grund für die Absagen einiger Schausteller gewesen sein. Die Stadt verlange für einen Stellplatz auf der Pfingstkirmes lediglich zwischen rund 5 € – 35 € pro Tag von den Schaustellern. Auslöser für das plötzliche Absagen der Raupenbahn zum Beispiel waren stattdessen Kosten für die Aufstellung eines zusätzlichen Stromkasten, welche die Enwor mit rund 110 € beziffert. Diesen zusätzlichen Stromkasten hatte der Schausteller, neben dem bereits für die Raupenbahn aufgestellten Stromkosten, für ein weiteres Wohnmobil gefordert mit der angereist war.

Auch die Sperrung der Oststraße, um die Pfingstkirmes wie gewohnt bis runter zum „Kirmesplatz“ aufzustellen, hätte rund 1.000 € gekostet. Kosten, für die weder die Stadt, aufgrund ihres aktuellen Haushaltssicherungskonzeptes, noch die Schausteller aufkommen wollten oder konnten. Herr Müllenmeister machte mit diesen Beispielen deutlich, dass ein Fest wie die Pfingstkirmes daher zu 100% auf Sponsorengelder angewiesen ist wenn es wieder zu dem gewohnten Umfang kommen soll.

Weiterhin wurde deutlich, dass die Kommunikation zwischen der Stadt und den Schaustellern nicht optimal war. So hatte der Raupenbahnbetreiber die Stadt zunächst nicht über seine Entscheidung und die Gründe dafür der Kohlscheider Pfingstkirmes fernzubleiben informiert. Diese erfhur erst einen Tag vor der Kirmes davon und hatte so keine Zeit mehr zu reagieren und eine Lösung zu finden.

Zerstrittene Stadtverwaltung und demografischer Wandel Teil der Probleme

Generell scheint mangelende Kommunikation innerhalb der für Kohlscheid verantwortlichen Kreise eines der grundlegenden Probleme zu sein. So äusserten sich mehrere Gesprächsteilnehmer entttäuscht über die aktuelle Stadtverwaltung rund um den Bürgermeister Christoph von den Driesch.

„Es bewegt sich nicht mehr viel“

Einige Teilnehmer äusserten sich enttäuscht über die Tatsache, dass trotz einer Einladung keine Vertreter aus der Politik an der Veranstaltung teilgenommen haben. Andere wiederum begrüßten es, da man sich so offener unterhalten könne. So wurde zum Beispiel der Vorwurf laut, dass die aktuelle Stadtverwaltung, bestehend aus einer großen Koalition zwischen SPD und CDU, mehr mit internen Streitigkeiten beschäftigt ist und sich gegenseitig blockiert statt gemeinsam Lösungen auf den Weg zu bringen. Eine Teilnehmerin fasste die Situation treffend mit den Worten „Es bewegt sich nicht mehr viel“ zusammen. Zu oft berufe man sich auf das Haushaltsicherungskonzept in dem sich die Stadt aktuell befindet als Begründung, dass keine Gelder zur Verfügung stehen. Einige in der Gesprächsrunde äusserten gar den Vorwurf, dass die Verwaltung Kohlscheid benachteilige und stattdessen vermehrt Gelder in das Zentrum in Herzogenrath Mitte investiere.

Auch berichteten einige Teilnehmer von ihren Erfahrungen mit der Stadtverwaltung als sie dieser konkrete Vorschläge zu Veränderungen und Verbesserungen vorstelleten. So sehe die Stadt meist nur die Probleme in den Konzepten und hält sich daran auf, statt vorgestellte Lösungsvorschläge konkret zu besprechen und anzugehen. Einige sehen dies auch als Grund für das oft angesprochene „Geschäftesterben“ in der Kohlscheider Innenstadt, da Betreiber und Unternehmen in andere Städte wie Baesweiler oder Würselen abwandern wo die Unterstützung und Förderung duch die Stadtverwaltung und die Verantwortlichen deutlich besser sei.

Einen weiteren Grund für die negative Entwicklung sahen die Gesprächspartner in der demografischen Entwicklung von Kohlscheid. Immer mehr junge Familien würden ebenfalls in Städte wie beispielsweise Baesweiler abwandern, da diese einfach familienfreundlicher sind und die Kosten für Wohnraum noch nicht so hoch wie in Kohlscheid sind. Auch war man sich einig, dass es wieder mehr und umfassendere Angebote über alle Altersgruppen hinweg, nicht nur auf der Pfingstkirmes, geben muss.

Erste Lösungsansätze vorgeschlagen

Doch es wurden nicht nur die Probleme angesprochen sondern es kamen auch zahlreiche Vorschläge für erste Lösungsansätze. So wurde zum Beispiel der Vorschlag eingeworfen die verschiedenen Feste die über das Jahr verteilt in Kohlscheid stattfinden zu einem oder zwei größeren Festen zu bündeln. Dabei würden Synergien entstehen, die sowohl bei der Organisation aber auch der finanziellen Herausforderung von Vorteil wären. Eine engere Absprache und Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Veranstaltern der Feste, wie der Stadt, dem Stadtmarketing, dem Kohlscheider Werbering aber auch den Vereinen sei dafür unabdingbar. Durch die Bündelung der Feste und des Know-Hows der verschiedenen Oragnisatoren könnten breitere Angebote für verschiedene Altersgruppen geschaffen werden, wie zum Beispiel ein Festzelt im Rahmen der Pfingstkirmes für die älteren Besucher, um so wieder mehr Besucher anzuziehen und somit für mehr Attraktivität für zahlreiche Schausteller und Geschäfte in Kohlscheid zu sorgen. Es gibt auch bereits erste Konzeptideen, die die Kohlscheider Pfingstkirmes mit einem zusätzlichen Stadtmarkt beleben sollen.

Auch für das im September anstehende Stadtfest wird man dieses Jahr etwas neues probieren. So wird im Rahmen des Stadtfestes zusätzich ein Streetfood-Festival stattfinden. Rund 30 Anbieter präsentieren dabei ausgefallene kulinarische Köstlichkeiten, die weit über die normale Pommes Frites hinaus gehen. Herr Müllenmeister verriet auch, dass der Werbering bereits ein noch weiteres Highlight organisiert, auf das die Kohlscheider bei der diesjährigen Herbstkirmes gespannt sein können.

Um die Innenstadt wieder mit mehr Leben zu füllen soll es auch konkrete Konzepte geben die Publikumsmagnete wie einen großen Lebensmittel Discounter inklusive ausreichender Parkflächen im Zentrum der Stadt entstehen lassen sollen, wovon dann auch wieder die kleineren umliegenden Geschäfte profitieren. Das dieses Konzept funktioniert war zu Zeiten als der ALDI Supermarkt noch in der Südstrasse angesiedelt war zu sehen. Auch zeigt der vor rund vier Jahren entstandende Geschäftekomplex inklusive Eisdiele und Pizzeria neben dem McDonald’s, dass solche Bündelungen von Angeboten funktionieren und die Kohlscheider Bürger anziehen.

Ein weiteres Ziel ist es Gespräche, Diskussionen, Vorschläge, Termine, Fotos, Videos, Nachrichten sowie die allgemeine Kommunikation rund um Kohlscheid auf der Plattform Kohlscheid.de zu bündeln. Weiterhin könnten Abstimmungen, Petitionen oder Spenden Aktionen über das Portal, welches in den nächsten Wochen zu einem umfassenden Städteportal rund um Kohlscheid aufgebaut werden soll, abgewickelt werden.

Nächstes Treffen bereits in 14 Tagen

Ein zweites Treffen ist bereits für den 15.06.2016 angesetzt. In einer ausgewählten kleinen Runde soll dabei ein konkretes Konzept zur Wiederauflebung der Kohlscheider Pfingstkirmes schriftlich fixiert werden. In einem weiteren Treffen soll dieses Konzept dann der Presse und Politikern aus Kohlscheid vorgestellt werden um zu zeigen, was in Kohlscheid gemeinsam mit den Bürgern machbar ist, wenn alle an einem Strang ziehen.

Alle waren sich einige, dass es Zeit ist zu beweisen, dass es sich wieder lohnt als Geschäfteinhaber oder Schausteller nach Kohlscheid zu kommen und so Kohlscheid für Familien und Bürger alle Altersgruppen wieder attraktiv zu machen. Der erste kleine Schritt ist mit dem gestrigen Treffen bereits gemacht.

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